Die Rechtschreibbiographie eines jeden Kindes ist genauso individuell wie das Kind selbst, aber alle Kinder üben die gleichen Wörter?! Meine Referendarin Miriam und ich hatten einen anderen Plan und haben allen Mut zusammen genommen und einen neuen Weg eingeschlagen. Wir haben uns viele Gedanken gemacht, viele Dinge (neu) bedacht, verworfen, optimiert und letztendlich ein System gefunden, dass ein individuelles nachhaltiges Rechtschreibtraining ermöglicht, aber nicht unsere zeitlichen Kapazitäten der Unterrichtsvorbereitung vollends sprengt. Und das stellen wir euch heute vor.
Alles begann mit Konfetti, das ich an die Wand geklebt habe. In zwei Bereichen im Klassensaal klebt Konfetti an der Wand. Weil es mir so gut gefiel. Und als wir so dabei waren, das Lernwörtertraining für die kommenden Wochen vorzubereiten, erinnerte ich mich an Meike. Meike ist eine liebe Kollegin aus einer unserer Nachbarschulen und sie hat ihre Lernwörterstationen im Konfetti-Design erstellt. Mein innerer Monk wollte nun auch Konfetti. Mein Kopf nicht. Sämtliche Stationenschilder sind bereits schön genug und diese jetzt umzugestalten, das verbraucht nur unnötig Ressourcen. Aber der innere Monk und Miriam haben sich letztendlich durchgesetzt und damit kam eine Lawine ins Rollen… Wie wäre es, wenn wir einfach ALLES neu denken? #nurechtmitkonfetti
Der Aufbau
1. Diagnose-Diktat mit anschließender Fehleranalyse – Welche Fehlertypen kommen am häufigsten vor?
2. Wortmaterial aus dem Grundwortschatz heraussuchen: Welche Rechtschreibphänomene müssen bei den einzelnen Kindern vorrangig geübt werden
3. Wortkärtchen erstellen und „Satz des Tages“ (nach Beate Leßmann) für jedes Kind konzipieren
4. Individuelles Üben an Stationen (mit einem individuellen Laufzettel)
5. Erneutes, individuelles Diagnose-Diktat (Tablet-Diktat)
1. Diagnose-Diktat
Das Diagnose-Diktat kann entweder mithilfe eines Tools, z. B. HSPsmart von Klett oder einem selbsterstellten Material erfolgen. Wir haben Wörter, die verschiedene Rechtschreibphänomene wiederspiegeln, herausgesucht und den Kindern diktiert. Außerdem sollten die Kinder einen Fehlertext analysieren und die Rechtschreibstrategien hinzufügen. Diese Lernstandsanalyse dient als Basis für die Auswahl an Lernwörtern, die jedes Kind bekommen soll. Bei der anschließenden Auswertung wurde dann priorisiert. Salopp gesagt: Wo brennt’s am meisten, bzw. wo sind die größten Rechtschreibbaustellen (z. B. Doppelkonsonanten, Wortendungen, …)?
2. Wortmaterial aus dem Grundwortschatz heraussuchen
Je nachdem, welche Rechtschreibphänomene bei den jeweiligen Kindern geübt werden sollen, wurde nun passendes Wortmaterial aus dem Grundwortschatz herausgesucht. Da dies händisch sehr viel Arbeit ist, haben wir uns der Klett.KI Grundwortschatz bedient. Wie diese funktioniert, kannst du hier nachlesen. Die Wörter wurden dann in einer Tabelle eingetragen, so dass die Kinder sich daraus ihre Wortkärtchen zum Üben ausschneiden konnten. Praktisch aufbewahrt in diesen Tüten …
3. Satz des Tages – Das Rechtschreibgespräch
Das Rechtschreibgespräch von Beate Leßmann ist aus unserem Unterricht nicht mehr wegzudenken. Wie es genau funktioniert, das erfahrt ihr ganz ausführlich von ihr persönlich, schaut mal auf ihrer Homepage vorbei. Wir haben das Konzept genauso übernommen und eben Konfetti hinzugefügt – klar 😉 Für jedes Kind wurde ein individueller Satz des Tages konzipiert, so dass auch in diesem Satz die „Rechtschreibbaustellen“ aufgegriffen wurden. Anstatt der normalen Deutsch-Hausaufgabe im Rechtschreibheft, hat jedes Kind an einem anderen Tag seinen Satz des Tages mithilfe einer Vorbereitungsmappe für den nächsten Tag vorbereitet. Das Rechtschreibgespräch wurde bewertet und diese Bewertung floss als Punkte in die nächste Rechtschreibarbeit ein. Zur Visualisierung haben wir ein Konfetti-Template in der App Goodnotes vorbereitet, so dass alle Sätze bereits vorbereitet waren. Diese Datei befand sich auf einem iPad mit Stift, so dass die Kinder beim Präsentieren an der Tafel markieren und schreiben konnten. Natürlich haben wir das iPad mit Konfetti beklebt 😉 Den Link zum Konfetti findet ihr übrigens auch weiter unten bei den Downloads.
Ergänzt wurde das Setting mit Magneten, auf denen die Rechtschreibstrategien gedruckt sind. So können die Kinder diese direkt über die Stolperstellen hängen.



4. Üben an Stationen mit individuellem Laufzettel
Die neu „konfettitierten“ Lernwörterstationen hat Miriam noch nach Rechtschreibstrategien geordnet – farblich erkennbar am Rand. Ansonsten entsprechen sie den Lernwörterstationen, die ihr bereits von mir kennt. Jedes Kind bekam einen individuellen Laufzettel. Um unsere Ressourcen zu schonen, hat Miriam einfach nur bei jedem Kind händisch angekreuzt, was erledigt werden soll. Damit es keinen Stau an den Stationen gibt, haben wir außerdem ein Ticket-System eingeführt – übrigens total praktisch: Die Behälter für die Tickets sind magnetisch und wir konnten sie einfach an unsere Tafel hängen 🙂

5. Individuelles Diagnose-Diktat
Für jedes Kind gab es ein individuelles Tablet-Diktat. Diese Diktate waren bereits zu Beginn der Einheit vorbereitet und entspricht den Lernwörtern des Kindes. Dazu erstellt man sich einmal das Design und kopiert das fertige eBook in der App BookCreator entsprechend und bespricht die Bücher dann. Wie dies genau funktioniert, habe ich euch hier erklärt. Wenn also ein Kind mit dem Lernwörtertraining an den Stationen fertig war, bekam es das Diagnose-Diktat und im Anschluss neues Wortmaterial. Denn: Wir hatten ja nach dem ersten Diagnose-Diktat priorisiert und somit sind ja noch kleinere Baustellen offen gewesen.

Ihr möchtet gerne die Materialien nutzen?
Gerne stellen Miriam und ich euch die Materialien zur Verfügung. Wir bitten aber darum, diese nur für den eigenen Unterricht zu gebrauchen und freuen uns, wenn wir diese nicht irgendwann bei Material-Marktplätzen wieder finden. Auch habt Verständnis dafür, dass wir nicht ALLES zur Verfügung stellen können, das geht einfach aus lizenzrechtlichen Gründen nicht. Es sind sehr viele Materialien und ja, da müsst ihr euch ein bisschen reindenken, aber das schafft ihr 😉

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