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Entschuldigungsbox – Die Notfallbox bei fehlenden Worten

Das Setting

Teamsitzung im Lehrerzimmer. Eine Woche nach unserem gemeinsamen Studientag. Wir sind dieses Jahr 5 Mädels im Lehrerzimmer. 5 Mädels, die gemeinsam Schule machen. 5 Mädels, die sich einig sind. 5 Mädels, mit gemeinsamen Zielen und der Gabe, sich gegenseitig die Energielevels auszugleichen. Fehlt’s der einen an Power, hat eine andere gerade Reserven und umgekehrt. Wo war ich? Wir also im Lehrerzimmer und wir bereiten unsere Fortbildung zu „Ich-Du-Wir“ nach. Ein präventives Programm des Pädagogischen Landesinstituts Rheinland-Pfalz zur Stärkung des Miteinanders in der Klasse. Das Programm wird uns fortan begleiten und wir stellen aus den vielen möglichen Übungen eine Auswahl zusammen, die für uns und die Kids passt. Zugegebenermaßen waren wir alle ziemlich k.o. Es war eine anstrengende Woche und Freitag nach der Schule ist vielleicht nicht der dankbarste Termin für eine Teamsitzung. Aber auch nicht der schlechteste 😉 Da springt mir die Idee für eine Kiste mit Entschuldigungssätzen ins Auge. In mir fängt es an zu rattern und die Energie kommt zurück. So fange ich also in meiner Klasse an. Bereits im letzten Schuljahr haben wir viel an den Sozialkompetenzen gearbeitet und diese Vorarbeit zahlt sich nun aus.

Die Entschuldigungsbox

Streit in der Klasse. Keiner möchte es gewesen sein, keiner möchte den Anfang machen, aber den Kindern geht es sichtlich nicht gut in ihrem Streit. Zugeben, dass man nicht ganz fair war, dass das eigene Verhalten nicht so ganz richtig war – das ist schwer. Ich beobachte, dass es gerade sehr sensiblen Kindern schwer fällt. Kindern, mit einem hohen Maß an Moralvorstellungen. Für die ist es oft noch schwerer, eigenes „Fehlverhalten“ einzugestehen. Warum? Ich habe nur eine Vermutung, denn ich bin ja kein Profi in Psychologie. Ich denke manchmal, dass das schlechte Gewissen so weh tut, dass es zunächst einfacher erscheint, sich abzukapseln und dicht zu machen. Die Entschuldigungsbox soll ein Impuls sein. Allein der Griff nach einer Box signalisiert: „Hier ist eine Entschuldigung notwendig!“ (auch wenn ich das ja nicht zugeben möchte und nicht weiß, wie ich es sagen soll).

In der Box finden die Kinder Sätze, die entweder einfach überreicht werden können. Oder auf der Rückseite mit eigenen Worten ergänzt werden. Ziel ist es, dass die Kinder sich die Sätze anschauen und dann mit Blick auf das andere Kind selbst sagen. Neben den Satzkärtchen finden sich auch Bildkärtchen im Material. Manchmal sagt ein Bild mehr als 1000 Worte und sie fungieren auch als Trostpflaster.

Die Einführung der Entschuldigungsbox

Im Sitzkreis besprechen wir, wann man sich entschuldigt. Ich werde improvisieren und eine Geschichte erzählen, die aus meinem Leben sein könnte (meist nehme ich dabei mich selbst auf die Schippe, das verbindet …) und frage die Kinder um Rat. Wir werden über das Entschuldigen sprechen und feststellen, dass das echt schwer ist manchmal. Dann werde ich die Kinder bitten, Entschuldigungssätze zu sammeln und auf die leeren Kärtchen zu schreiben. Erstmal mit Bleistift, anschließend in Schönschrift. Sie werden diese präsentieren wollen (sie wollen immer präsentieren) und wir werden sie weiter ergänzen und optimieren (sie haben immer Tipps zur Optimierung). Dann werd ich die Box in die Mitte legen. Verschlossen. Ich werde den Kindern nicht erklären müssen, was es mit der Box auf sich hat. Darauf kommen sie alleine. Ein fragender Blick wird genügen, das weiß ich. Stummer Impuls und so. Und dann werden wir feierlich die Box öffnen. Die Kinder werden sich über die Bilder freuen und bestimmt wird die Box erstmal inflationären Einsatz finden. Nach einiger Zeit wird sich dies normalisieren. Ritualisieren. Und irgendwann wird die Box nicht mehr gebraucht werden. Sie wird einstauben. Beim Ausräumen des Saales vor den Sommerferien werde ich den Staub herunterpusten und dann hoffentlich denken: „Schau an, was wir geschafft haben. Wir brauchen sie nicht mehr!“ Und dann denke ich nicht, dass sich die Bastelarbeit nicht gelohnt hat – im Gegenteil. Dann hat es sich einfach gelohnt.

How To: Entschuldigungsbox basteln

Du brauchst eine Box 😉 Ich nehme dafür gerne die Maxibriefkartons, die ich eh immer für alle möglichen Zwecke vorrätig habe (habe ich dir unten verlinkt, affiliate link). Die Kärtchen habe ich auf normales Papier gedruckt, so können die Kinder noch die Rückseite beschriften, wenn sie dies möchten. Die Schilder, die ich außen und innen auf der Box angebracht habe, wurden auf Etikettenpapier gedruckt, weil das einfach besser hält als Kleber.

Die Blankokarten werde ich noch ein paar mal mehr ausdrucken, weil die Kids ja selbst Entschuldigungssätze schreiben sollen.

Ihr seht: Der Bastelaufwand hält sich in Grenzen. Das Material findet ihr unten im Download.

Ich bin gespannt, ob du das Material in deiner Klasse einsetzt. Vielleicht funktioniert es sogar in der Familie unter Geschwistern 🙂 Auf jeden Fall freue ich mich, wenn du mir in den Kommentaren schreibst, wie es dir mit der Entschuldigungsbox so ergangen ist 😉

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4 Gedanken zu „Entschuldigungsbox – Die Notfallbox bei fehlenden Worten“

  1. VIELEN DANK!

    Das passt so gut zu meinem Thema GEFÜHLE, welches ich gerade in Ethik mit den SUS mache.
    Welche Gefühle habe ich – und welche hat ein anderer.
    Gefühle erkennen, bei sich und dem anderen.
    UND GANZ WICHTIG: wenn man selber bei einem anderen für schlechte Gefühle sorgt, sich dann dafür ENTSCHULDIGEN.
    Toll, dass es auch unterschiedliche Niveaus enthält…. von passende Karte aussuchen und selber eine schreiben.

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